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Schellings Berliner Spätphilosophie und die "Empfindlichkeit des philosophischen Bewusstseins"
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30 October 2026
Die Beiträge dieses Bandes widmen sich einer bisher wenig erforschten, aber philosophisch hochbedeutsamen Phase in Schellings Werkgeschichte: seiner letzten und tiefgreifend revidierten Spätphilosophie ab 1846 und damit deutlich nach den Berliner Vorlesungen zur Philosophie der Offenbarung (1841-44). In Kenntnis nur der letzteren bescheinigten bereits zeitgenössische Kritiker Schellings Spätphilosophie einen Rückfall seiner philosophischen Systemanstrengungen hinter die von Kant gesetzten kritischen Maßstäbe zulässiger Metaphysik. Demgegenüber richtet der Band die Aufmerksamkeit entschieden auf jene erst danach einsetzende, allerspäteste Werkphase Schellings und arbeitet anhand der ihr zugehörigen Texte eine klar strukturierte Revision seiner Philosophie heraus, die nunmehr auf eine der kantischen Kritik zugleich genügende, obwohl sie dennoch methodisch gerechtfertigt hinter sich lassende, theoretische Metaphysik zielt. Für diese letzte Werkphase als maßgeblich zu nehmen ist Schellings späteste Arbeit die Darstellung der reinrationalen Philosophie, die daher auch im Zentrum dieses Bandes steht.
Die Beiträge des Bandes rekonstruieren die Züge dieser philosophischen Revision in drei zentralen Themenfeldern: (1) der erkenntnistheoretischen Entlastung der Vernunft von der Zuständigkeit für Gotteserkenntnis, (2) der Adressierung metaphysischer Fragestellungen ausgehend von einem geschichtlichen Bewusstsein, (3) der philosophisch-wissenschaftlichen Aufarbeitung der Religion als eine eigenständige Entwicklungslinie des menschlichen Bewusstseins. Zudem (4) präsentiert dieser Band einen bisher nicht edierten Brief- den »Vermächtnisbrief« -, in dem Schelling entscheidende philosophische Festlegungen seiner spätesten Philosophie an seinen Sohn (und Editor) vermittelt. Der »Vermächtnisbrief« wird hier erstveröffentlicht und in zwei Beiträgen philosophisch ausgewertet. In vier Abteilungen werden die Grundlinien dieser Philosophie als moderne, selbstkritische Metaphysik entfaltet, die über das idealistische Zeitalter hinausweist und auch im heutigen Denken fruchtbar gemacht werden kann.
PHILOSOPHY / History & Surveys / General, Westliche Philosophie: nach 1800, PHILOSOPHY / Movements / Idealism, PHILOSOPHY / Metaphysics, RELIGION / Philosophy, PHILOSOPHY / Epistemology, Idealismus, Philosophie: Metaphysik und Ontologie, Religionsphilosophie, Philosophie: Epistemologie und Erkenntnistheorie
Geboren 1957; 1984 Promotion und 1991 Habilitation an der Universität München; 1994 Ernennung zum Professor in Mainz; Ordinarius für Philosophie, speziell Metaphysik und Ontologie, in München.
Nora Angleys (Herausgegeben von)
Geboren 1986; wissenschaftliche Mitarbeiterin und Promovendin im DFG-Projekt "Schellings unvollendetes System".
Fritz Engel (Herausgegeben von)
Geboren 1996; wissenschaftlicher Mitarbeiter und Promovend im DFG-Projekt "Schellings unvollendetes System".
Carlos Zorrilla Piña (Herausgegeben von)
Geboren 1987; 2021 Promotion an Emory University; 2020-25 wissenschaftlicher Mitarbeiter im DFG-Projekt "Schellings unvollendetes System"; Assistenz-Professor für die Geschichte der Philosophie an der Katholischen Privat-Universität Linz.
I. KRITIK UND KRISIS: SELBSTKRITISCHE PHILOSOPHIE ALS SYSTEMATISCHE METAPHYSIK
Thomas Buchheim: Schellings Systemverständnis in seiner spätesten Philosophie - Markus Gabriel: Der Kontrast von negativer und positiver Philosophie - Henning Tegtmeyer: Zum Status der Metaphysik in Schellings Spätphilosophie - Marcela García-Romero: Crisis as Method in Schelling's Darstellung der reinrationalen Philosophie - Alexandra Roux: Science, Nescience and Dialectics in Schelling's later philosophy - Carlos Zorrilla-Piña: The Latest Schelling and the Expansion of Philosophical Theory
II. PHILOSOPHISCHE KRISIS UND GESCHICHTLICHES BEWUSSTSEIN Gesa Wellmann: Geschichtsphilosophie und Geschichte in Schellings Darstellung der reinrationalen Philosophie - Christopher Arnold: Der Staat bis in Schellings Berliner Zeit. Versuch einer werkgeschichtlichen Rekonstruktion - Christoph Binkelmann: Über das Zugrundegehen des Staates: Schellings Begriff des Staates in seiner (späten) Entwicklung
III. PHILOSOPHISCHE KRISIS UND RELIGION
Christian Danz: Krisis der Mystik. Religion und Gott in Schellings Philosophie der Offenbarung - Tommaso Mauri: Krise der Metaphysik, Anfang der Religion. Unterbrechung und Polarität beim späten Schelling - Kyla Bruff: The Law and Its Limits: State, Morality, Religion, and Community in Schelling's Late Philosophy - Ludovica Neri: Vom Allgemeinen zur Persönlichkeit: Schellings Kritik an Kants Postulatenlehre im Übergang zur positiven Philosophie
IV. SCHELLINGS VERMÄCHTNIS FÜR EINE SELBSTKRITISCH REVIDIERTE METAPHYSIK
Nora Angleys und Fritz Engel: Schellings »Vermächtnisbrief« von 1854 - Nora Angleys: Die Gültigkeit des religiösen Diskurses - tautegorische Lesart - Fritz Engel: „Die Wichtigkeit" des Namens in Schellings spätester Philosophie