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Fachsprache und Sprachpolitik aus der europarechtlichen Sattelzeit (1955-1975)

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Ende der 1950er Jahre kam es im Europarecht zu einem Sprachwandel, der europarechtliche Sprache politischer und unpräziser gemacht hat. Thorben Klünder ordnet den europarechtlichen Wortschatz, verfolgt seinen historischen Wandel und übt Kritik an europarechtlicher Sprache,...
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  • 30 October 2026
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Ende der 1950er Jahre stritten Juristen intensiv über europarechtliche Fachsprache. Ausdrücke wie Supranationalität, Staatenbund oder Bundesstaat galten als nationalstaatlich geprägt und polarisierend. Sprachliche Innovationen, eigene europarechtliche Sprachregeln und Bildsprache mussten her. Es ereignete sich ein Sprachwandel, eine Sattelzeit, die bis heute prägt, wie wir uns über europäisches Recht verständigen. Der Ausdruck „Sattelzeit" ist in Anlehnung an den Begriffshistoriker Reinhart Koselleck gebildet und drückt einen besonders tiefgreifenden Sprachwandel aus. Mit der europäischen Sattelzeit etablierten sich im Europarecht unbestimmte Verbandsausdrücke und Ausdrucksweisen, die schwierige Fragen aufwerfen. Beispielsweise, ob es sich beim Europarecht und nationalem Recht um eine, zwei oder mehrere Rechtsordnungen handelt, ob das Europarecht eine eigene Rechtsquelle hat, durch Gesamtakt geschaffen wurde oder eine Rechtsgemeinschaft ist. Solche Ausdrucksweisen haben europarechtliche Fachsprache nicht nur unübersichtlicher gemacht, sondern mutmaßlich auch politischer. Der Ansatz der vorliegenden Untersuchung ist ein historisch-kritischer und ein analytischer. Wer gebrauchte welche juristischen Ausdrücke zu welchem Zweck? Und was sind gute Sprachregeln für unsere europarechtliche Fachsprache? Thorben Klünder ordnet den europarechtlichen Wortschatz, verfolgt seinen historischen Wandel und übt Kritik an europarechtlicher Sprache, Metaphorik und Theorie.
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Price: £96.00
Pages: 250
Publisher: Mohr Siebeck
Imprint: Mohr Siebeck
Series: Beiträge zu normativen Grundlagen der Gesellschaft
Publication Date: 30 October 2026
ISBN: 9783162004635
Format: Hardcover
BISACs:

LAW / International, Internationales Recht, PHILOSOPHY / General, LANGUAGE ARTS & DISCIPLINES / Linguistics / General, Rechtsmethodik, Rechtstheorie und Rechtsphilosophie, Sprachwissenschaft, Linguistik

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Geboren 1992; Studium der Rechtswissenschaften in Göttingen und Istanbul; Promotion am Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie in Frankfurt; Rechtsreferendariat am OLG Frankfurt; Rechtsanwalt in Berlin.

Einleitung: Verständigung über nationales Recht und Europarecht
I. Theoretische Positionen: Gute und schlechte Fachsprache
II. Sprachgeschichtliche These: Die europarechtliche Sattelzeit
III. Methodische Thesen: Probleme europarechtlicher Metasprache
A. Supranationalität und die Erfindung der europarechtlichen Metasprache
I. Die Bedeutung von „supranational" im frühen europarechtlichen Sprachgebrauch
II. Supranational und die alten staatsrechtlichen Wörter
III. Die erste fachsprachliche Krise des Europarechts
IV. Zusammenfassung
B. Verständigungsprobleme mit dem gegenständlichen Rechtsordnungsbegriff
I. Uneigentliches Sprechen in der Europarechtswissenschaft
II. Was bedeutet „Rechtsordnung"?
III. Van Gend: „Neue Rechtsordnung" als Letztbegründung
IV. Bilder und Bildkritik: Der Anfang von Rechtsordnungen
V. Zusammenfassung und Hinweise für den fachsprachlichen Gebrauch
C. Ausdrücke für sprachpolitische Rhetorik: „Rechtsgemeinschaft" und „Gemeinschaft"
I. Grundlagen
II. Hallsteins vereinnahmende Formel
III. Too big to not fail? - Weshalb „Rechtsgemeinschaft" in der Gegenwart kein guter Fachausdruck ist
IV. Zusammenfassung und fachsprachliche Hinweise
Schluss: Die europarechtliche Sattelzeit und Europarechtswissenschaft als Textwissenschaft