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Autothanasia

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Isabelle Künzer widmet sich dem dynamischen Verhältnis von Sinnkonstruktionen, Normen und Emotionen bei der Selbsttötung in der griechischen Antike. Sie zeigt, dass Emotionen im Kontext suizidaler Episoden das Normengefüge der jeweiligen Gesellschaften zwar herausforderten, letztlich...
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  • 30 November 2026
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Aus der Zeit der griechischen Antike sind zahlreiche Suizidfälle überliefert. Die Betroffenen setzen aus unterschiedlichen Beweggründen ihrem Leben ein Ende. Mit dem Vollzug des Suizids entzieht sich ein Individuum in der Regel grundsätzlichen Ordnungsvorstellungen. Dieser Vorgang ist erklärungsbedürftig, und vor diesem Hintergrund stellt sich auch für antike Akteure die Frage nach den Absichten, die Suizidenten verfolgen, und nach den Funktionen, die die Selbsttötungen erfüllen. Genauso bedeutsam ist dabei das Verhältnis von Suiziden zu Normen und Emotionen. Diese drei Ebenen und deren Zusammenwirken bei suizidalem Verhalten nimmt Isabelle Künzer erstmals für die griechische Antike von der Archaik bis in den Hellenismus umfassend in den Blick, indem sie sich emotional geprägten Deutungswelten widmet.
Künzer stützt sich dabei auf den sogenannten enactive approach, ein holistisch-integratives Konzept, das eine enge Wechselwirkung und ein dynamisches Verhältnis von Wahrnehmung, Emotionen und Handlungen bei kognitiven Prozessen postuliert. Diese Perspektive erlaubt es, für Suizidfälle in der Lebenswelt des antiken Griechenland die komplexe und dynamische Interaktion zwischen Individuum und Umwelt und somit das subjektive und emotional geprägte Weltverständnis zu betrachten.
Die Autorin zeigt, dass Emotionen bei suizidalen Geschehen als wesentlicher Bestandteil komplexer und dynamischer Einschätzungsprozesse anzusehen sind. Gemeinsam ist den suizidalen Episoden, dass sie in prekären Situationen eine Verständigung über Normen- und Emotionskonzepte und damit letztlich eine Selbstvergewisserung der entsprechenden soziokulturellen und soziopolitischen Gemeinschaften betreiben.

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Price: £125.00
Pages: 520
Publisher: Mohr Siebeck
Imprint: Mohr Siebeck
Series: Emotions in Antiquity
Publication Date: 30 November 2026
ISBN: 9783162003430
Format: Hardcover
BISACs:

HISTORY / Ancient / General, Antike, HISTORY / Social History, PSYCHOLOGY / Emotions, Sozial- und Kulturgeschichte, Psychologie: Emotionen

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Geboren 1984; 2016 Promotion an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn; 2025 Habilitation an der Justus-Liebig-Universität Gießen; Privatdozentin an der Professur für Alte Geschichte der Justus-Liebig-Universität Gießen.

1. Einleitung
1.1 Selbsttötung im antiken Griechenland - Gegenstand der Untersuchung, Forschungsstand und methodische Prolegomena
1.2 Aias, Herakles und die Frage nach dem ehrenhaften Leben oder der Ehre des Toten - Variablen der Autothanasie im antiken Griechenland
1.3 Zusammenfassung: Merkmale der Selbsttötung im antiken Griechenland
2. Scham, Schande und Ehre im antiken Griechenland - oder der soziale Tod als Präfiguration des physischen Sterbens
3. Eskapistische Selbsttötungen im antiken Griechenland
3.1 Suizid bei Alter, Krankheit und sonstigen körperlichen Leiden
3.2 Lebensmüdigkeit, Trauer und Einsamkeit als Hintergrund der Autothanasie im antiken Griechenland
3.3 Autothanasie bei Erniedrigung, öffentlicher Entehrung und sozialem Tod
3.4 Die Selbsttötung als Flucht vor Widersachern und Feinden
3.5 Bilanzsuizide im antiken Griechenland
3.6 Suizide als Selbstbestrafung im Empfinden von Schuld und Reue
3.7 Zusammenfassung: Suizidaler Eskapismus, Selbstbestimmung, Freiheit und Kontrolle im antiken Griechenland
4. Aggressive Autothanasie in der griechischen Antike
4.1 Suizidalität und das Phänomen der Vergeltung im antiken Griechenland
4.2 Selbsttötungen als ultima ratio mit dem Ziel der Vergeltung erlittenen Unrechts
4.3 Suiziddrohungen und Suizide zur Beeinflussung des Verhaltens von Mitmenschen
4.4 Suiziddrohung und Selbsttötung vor der Tür eines anderen Menschen
4.5 Die besondere räumliche und moralische Sphäre suizidaler Vergeltungsakte - Zur Spezifik der aggressiven Selbsttötung im antiken Griechenland
5. Oblativ-altruistische Autothanasie im antiken Griechenland
5.1 Die Struktur und Sinndimension der oblativ-altruistischen Autothanasie im antiken Griechenland
5.2 Die Verfahrenslogik der oblativ-altruistischen Selbsttötung in der griechischen Welt
5.3 Die funktionale Dimension der oblativ-altruistischen Autothanasie im antiken Griechenland
6. Demonstrative Suizide in der griechischen Welt
6.1 Gesetzgeber und Staatsmänner als Akteure einer demonstrativen Autothanasie
6.2 Militärischer Habitus und demonstrative Selbsttötung
6.3 Der Philosophensuizid als Muster des demonstrativen Suizids im antiken Griechenland
6.4 Demonstrative Selbsttötung und die soziale Strukturierung von Emotions- und Wertenarrativen in der griechischen Lebenswelt
7. Schluss: Suizidales Verhalten, emotionale Suizide und suizidale Emotionen -Ambivalenz als Wert bei emotionaler und normativer Ambiguität im antiken Griechenland